2. Januar 2015 - Badische Zeitung

Reichenbacher Schergässler eröffnen Fasent 2015

Los geht’s mit dem närrischen Programm: Die Narrenzunft der Scherrgässler aus Reichenbach rechnet bei ihrem großen Narrentreffen am 11. Januar mit 3500 Teilnehmern.

Die Scherrgässler freuen sich auf die fünfte Jahreszeit. Foto: Wolfgang Beck

LAHR-REICHENBACH. Wenn Sektkorken und Böllerreste aus der Silvesternacht zusammengefegt und die Christbäume entsorgt sind, steht für die Narrenzunft der Schergässler ein närrisches Großereignis vor der Tür: Rund 3500 Teilnehmer werden am Sonntag, 11. Januar zum großen Narrentreffen am Schutterstrand in Reichenbach erwartet. "Die Schergässler stehen in den Startlöchern", sagte Oberzunftmeister Thomas Fischer zum Großereignis. Bereits vor Wochen haben die Reichenbacher Verantwortlichen der Zunft das Narrenvolk darüber in Kenntnis gesetzt, dass es im neuen Jahr bald mit dem närrischen Programm losgehen wird. In aller Eile wurden bereits im Oktober Einladungen für den großen Zunftabend verschickt, der – man traute seinen Augen kaum – am Samstag, 31. Februar 2015, in der Geroldseckerhalle stattfinden sollte. "31. Februar?" Haben die Schergässler die fünfte Jahreszeit stillschweigend verlängert, so die Vermutung des Briefadressaten, weil die Fasnacht in diesem Jahr so kurz ist? Schelmisches traut man den Schergässlern in der Narrenhochburg Reichenbach ohnehin zu! "Mitnichten", korrigierte der Narren-Boss Thomas Fischer den Patzer bei den ersten Rundbriefen vom Oktober. "Wir haben es zu spät bemerkt und die weiteren Schreiben dann aber korrigiert", so die Antwort aus der närrischen Schaltzentrale der Zunft. Damit ist klar, dass der Zunftabend, für den die Geroldseckerhalle fast ausgebucht ist, am 31. Januar 2015 stattfindet. Beginn ist übrigens um 19.30 Uhr.

Bereits am Sonntag, 11. Januar 2015 steht die Narrenhochburg Reichenbach im Blickpunkt der Narren aus allen Ecken und Enden der Oberrheinischen Zünfte. Um 12 Uhr laden Ortsverwaltung Reichenbach und die Fasentzunft "Die Schergässler" zu einem Empfang der Gastzünfte ins Rathaus ein. Um 13.30 Uhr startet der Reichenbacher Fasentumzug mit 3500 Teilnehmern durch den Ort. Wegen der großen Teilnehmerzahl musste der Umzugsbeginn auf 13.30 Uhr vorverlegt werden, so Fischer. Die Geroldseckerhalle ist geöffnet und wird von der Fasentzunft bewirtet. Darüber hinaus sind über ein Dutzend Vereine und Dorffasentgruppen mit einem Stand entlang der Umzugsstrecke vertreten. Die Aufstellung der Narren findet im Bereich Schutterstraße, Schindelstraße, Adler- und Fronmattenstraße statt. Die Umzugsstrecke beginnt ab Einmündung Schutterstraße in die Hauptstraße (bei Metzgerei Fabry) und führt über die B415 Richtung Schönberg bis zur Alten Landstraße (Schergass‘). Weiter geht es durch die Schergass‘ über den Lindenplatz und die Gereutertalstraße wieder zur B415. Der Narrentross löst sich nach einer Abzweigung in die Sportplatzstraße im Bereich des Parkplatzes der Geroldseckerhalle wieder auf. Die Ehrentribüne befindet sich vor dem Hotel-Restaurant Adler.

Die närrischen Tage werden dann am Schmutzigen Donnerstag, 12. Februar, fortgesetzt: Narrenbaumstellen am Lindenplatz, Rathausstürmung, Hemdglunkerumzug und Narrentreiben im Ort mit Hemdglunkerball im Nörgler schließen sich an. Am Fasnachts-Sonntag, 15. Februar, geht es in der Schergass‘ hoch her: Um 11 Uhr wird der Schergassen-Jahrmarkt am Lindenplatz offiziell eröffnet. Ein großes Showprogramm findet auf einer Bühne vor dem Nörgler statt. Am Rosenmontag (16. Februar) wird der Schergassen-Jahrmarkt um 11 Uhr fortgesetzt. Um 14 Uhr setzt sich der Kinderumzug in Bewegung. Abschluss ist an der Showbühne vor dem Nörgler. Die Fasent wird am Fasentdienstag (17. Februar) auf dem Lindenplatz um 20 Uhr verbrannt.

19. November 2014 - Badische Zeitung

Reichenbachs Fasent lebendig gemacht

Ehrenmatinee der Schergässler für Mitglieder, die seit Jahrzehnten der Narretei dienen.

LAHR-REICHENBACH (wob). Die Fasentzunft Schergässler in Reichenbach hat am Sonntag einen schönen Brauch aufleben lassen und zu einer Ehrenmatinee in das Zunftlokal eingeladen. Im Mittelpunkt standen Ehrungen von Zunftmitgliedern in Bronze, Silber und Gold durch die Vogtei Ortenau des Oberrheinischen Narrenverbandes. Den Geehrten wurde bescheinigt, die Narretei und das Brauchtum als Schergässler über Jahrzehnte zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens gemacht zu haben. "Ihr habt die Dorffasent geprägt", zeigte sich Oberzunftmeister Thomas Fischer stolz auf die vom Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) geehrten Mitglieder, dem die Schergässler seit 55 Jahren angehören.

Zahlreiche Ehrenmützenträger waren der Einladung gefolgt und drückten durch ihre Anwesenheit die Wertschätzung der Zunftmitglieder aus, die in 11, 22 und 33 Jahren durch ehrenamtliche Arbeit dazu beigetragen haben, dass Reichenbach eine Narrenhochburg geworden ist. "Das verdient Respekt", sagte Narrenvogt Gunther Seckinger von der Vogtei Ortenau. Er ist zuständig für die Schergässler und 23 weitere Zünfte zwischen Oberhausen und Oppenau, die für die organisierte Fasnacht am Oberrhein stehen.

Zusammen mit Vize Bernhard Schwarz nahm er die Ehrungen vor, an der auch Ehren-Narrenvogt Ede Lippert teilnahm. Zum Programm der Ehrenmatinee, bei dem ein Festessen für Geehrte und Gäste serviert wurde, gehörte eine historische Modenschau von Zunftornaten. Beim Ausflug präsentierten Gerd Merz, Franz Josef Fischer, Alfred Hertenstein und Patrick Decker die Zunft-Ornate der vergangenen Epochen bis zum Ornat der Gegenwart. Premiere hatte ein blauer Kurzmantel, den Ehrenoberzunftmeister Martin Meier vorstellte, der künftig von "närrischen Ruheständlern" bei Auftritten der Schergässler getragen werden soll.

Oberzunftmeister Thomas Fischer stellte die künftigen einheitlichen Masken der Schergässler vor, die die stolze Zahl von 130 Larven erreicht haben. Fischer dankte Zunftschneiderin Erika Uhl, die neue Maskentaschen gefertigt hatte. Mit einem Antrag an den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) bewarben sich die Schergässler beim Narrenvogt für die Ausrichtung des Herbstkonvents 2017 in Reichenbach. Dann steht auch das 60-jährige Bestehen der Schergässler an, das groß gefeiert werden soll.

Verbandsehrungen: Den Verbandsorden in Gold für 33-jähriges Engagement für die Fasnacht gab es für Timo Haag vom Buurequartett. Mit dem Orden in Silber (22 Jahre) wurden Joachim Fabry und Achim Meier ausgezeichnet.

05. März 2014 - Badische Zeitung:

Wie ist es eigentlich ein Fasentnarr zu sein? (Teil 5)

"Da kommen mir die Tränen"

Abschied vom Bagger und von der Fasent: Günter Singler Foto: W. Beck

LAHR-REICHENBACH. Günter Singler ist ein Fasentnarr durch und durch. Der 49-Jährige ist bei den Schergässlern und bei der Fasentgruppe der Schierebaschtler aktiv. Die Badische Zeitung hat ihn während der Fasent vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Fasnachtsdienstag begleitet. BZ-Mitarbeiter Wolfgang Beck hat ihn bei der Fasentverbrennung erlebt.

"Jetzt ist sie vorbei, die glückselige Fasent. Es schmerzt einen Narren, dem am Ende der närrischen Kampagne nichts anderes übrig bleibt, als sich von der Fasent zu verabschieden. Schergässler wie Schierebaschtler pflegen hierbei den gleichen Trauerakt: Sie verbrennen die Fasent mit großem Wehklagen. Die Schierebaschtler verbrennen die Requisiten, die sie zuvor in wochenlanger Gemeinschaftsarbeit in Schillingers Scheune gebastelt haben. Da kommen mir die Tränen, mit ansehen zu müssen, wie die Bagger ein Opfer der Flammen werden. Als Schergässler setzt das große Wehklagen auf dem Lindenplatz ein. Der Musikverein spielt Trauermusik, die Schergässler und die anderen übrig gebliebenen Narren machen sich auf zur Prozesssion vom Lindenplatz zur Kirche und wieder zurück. Dann wird die Schergässler-Figur verbrannt. Zum letzten Mal zeigt sich das Baronspaar seinen närrischen Untertanen. Beim traurigen Zeremoniell ist schwarze Kleidung vorherrschend. Mit Taschentüchern werden die Tränen getrocknet.

24 Stunden zuvor war am Schutterstrand die Narren-Welt aber noch in Ordnung. Die Zunft hatte am Rosenmontag in den "Nörgler" eingeladen. Klar, dass die Schierebaschtler sich unter die Narren gemischt haben. Fasent wie daheim hieß das Motto im Zunftlokal, das mit einer bequemen Couch und einer alten Zinkbadewanne dekoriert war. Auf einem Akkordeon erklang Fasentmusik zum Mitsingen. Es wurde geschunkelt und viel gelacht. Oberzunftmeister Thomas Fischer kam als "Stuben-Tiger" und brach in seiner Büttenrede eine Lanze für die Fasent daheim. Da hielt es den früheren Spatzensänger Gerd Merz nicht mehr auf der Couch. Er konnte die Bitte der Reichenbacher nicht ausschlagen. Alle wollten von ihm noch einmal das Lied "Amanda" hören. Es war herrlich. Ein richtiger Wohlfühl-Abend. Auch die Kostümierung passte zum Motto: Die Reichenbacher kamen im heimischen Feinripp, in Jogginganzügen oder im Schlafanzug mit Bademantel und Hausschlappen. Doch um Mitternacht war Schluss. Auch ein Fasentabend daheim geht in die Knochen.

Am Fasentdienstag rief die Zunft zum Fasentumzug nach Kappel-Grafenhausen. Bis es dann am Abend endgültig vorbei war mit der glückseligen Fasent. Als echter Richebacher Narr, der eine schöne Kampagne erlebt hat, beschließe ich am Aschermittwoch endgültig die fünfte Jahreszeit in der Kirche. Vom Pfarrer gibt’s ganz nach katholischem Brauch Asche aufs Haupt.

 

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